Zusammenarbeit trotz Kriegen und eines geteilten Deutschlands

1903 überquerte die erste Eisenbahnfähre die Ostsee zwischen dem deutschen Warnemünde und dem dänischen Gedser. Damals war die Fähre noch ein Dampfschiff. Heute verkehren zwei Hybridfähren auf dieser Strecke – eine davon zudem mit Rotorsegel. Trotz zweier Weltkriege und der Teilung Deutschlands, die 40 Jahre lang eine äußerst eingeschränkte Reiseaktivität von Ostdeutschland aus mit sich brachte, hatte die Strecke Bestand.

1963 kam eine weitere Fährstrecke zwischen den beiden Ländern hinzu – die Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und Rødby. Die Pläne für diese Route reichten 100 Jahre zurück, wurden aber durch mehrere Kriege immer wieder durchkreuzt. Die Vogelfluglinie erfreute sich schon bald großer Beliebtheit und konnte im Jahr 1988 den hundertmillionsten Passagier feiern.

1989 fiel die Mauer, und damit ergaben sich neue Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit. Im Jahr 1993 wurden die beiden deutschen Reedereien, die Osten und Westen bedient hatten, unter dem Namen DFO zusammengelegt. In Dänemark wurde die Reederei, deren Eigentümerin die dänische Eisenbahngesellschaft DSB war, im Jahr 1995 eine eigenständige Aktiengesellschaft, und 1997 änderte die Reederei ihren Namen von DSB Rederi in Scandlines.

Während die Wirtschaft in den früheren Oststaaten wuchs, erlebte außerdem die östliche Route zwischen Warnemünde und Gedser einen Aufschwung. 1995 wurde die Strecke von Warnemünde in den nahegelegenen Hafen von Rostock verlegt.

Die "Prinsesse Alexandrine" in Warnemünde. Foto: Dansk Færgehistorisk Selskab

Gemeinsame deutsch-dänische Investition in neue Fähren

1997 mündete die starke Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in eine gemeinsame Investition in vier neue Fähren für die Vogelfluglinie. Zwei Fähren wurden von deutscher Seite und zwei von dänischer Seite geliefert. Alle vier Fähren sind Doppelendfähren. Sie fahren in beide Richtungen, ohne wenden zu müssen; dadurch wurde die Strecke noch effektiver als zuvor.

Im Prinzip sind diese vier Fähren gleich, aber wenn man genauer hinschaut, sieht man sowohl außen als auch innen Unterschiede im Design. Und man kann den Unterschied auch hören. Die beiden deutschen Fähren fahren unter deutscher Flagge und haben eine deutsche Besatzung. Die beiden dänischen Fähren fahren unter dänischer Flagge und haben eine dänische Besatzung.

Aus zwei staatlichen Reedereien wurde ein privates Unternehmen

1998 fusionierten die beiden Reedereipartner,  die deutsche DFO und die dänische Scandlines A/S, zur Gesellschaft Scandlines AG. Eigentümer waren die Deutsche Bahn sowie das dänische Ministerium für Transport und Energie. Im Jahr 2007 wurde Scandlines privatisiert.

Auf Kurs zu emissionsfreien Fähren

2013 wurde der erste konkrete Schritt hin zu emissionsfreien Fähren gemacht, als die Puttgarden-Rødby-Fähre „Prinsesse Benedikte“ in eine Hybridfähre umgebaut wurde, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Das Hybridsystem ähnelt dem System, das wir auch von Hybridautos kennen und das Benzin oder Diesel mit Strom kombiniert. Der Umbau wurde ein Erfolg, und schon im Jahr 2014 wurden auch die drei anderen Passagierfähren dieser Strecke in Hybridfähren umgebaut.

Mit den guten Ergebnissen der Fähren von der Strecke Puttgarden-Rødby wurden auch die beiden neuen Fähren für die Strecke Rostock-Gedser Hybridfähren. 2016 wurden die zu diesem Zeitpunkt größten Hybridfähren der Welt, die „Berlin“ und die „Copenhagen“, auf der Route in Betrieb genommen.

2020 machten wir den nächsten Schritt auf unserer grünen Reise. Unter Wasser führten neue Thruster (die Thruster sorgen für den Antrieb) an zwei der vier Passagierfähren auf der Strecke Puttgarden-Rødby für weniger Unterwasserlärm und einen geringeren CO2-Ausstoß. Im Jahr 2021 und 2022 erhalten auch die beiden anderen Passagierfähren auf der Strecke Thruster desselben Typs. Auf der Route Rostock-Gedser sendete ein Rotorsegel auf der Hybridfähre „Copenhagen“, das den CO2-Ausstoß der Fähre weiter senkt, ein sehr deutliches Signal für unseren Kurs hin zu emissionsfreien Fähren.

Film über die Einweihung der Vogelfluglinie in 1963

Scandlines baut auf eine starke deutsch-dänische Zusammenarbeit seit mehr als 100 Jahren.